Ein Blatt aus dem Archiv der Bruderschaft – gesammelt aus Randnotizen, Reiseregistern und den „Büchern des Geleits“. Nicht alles, was alt klingt, ist gewiss; doch jedes Zeichen folgt einer Ordnung.
In den Jahren 1187 bis 1191 – nach den Wirren im Heiligen Land – begann der Orden, Nachrichten nicht länger nur in klarer Schrift zu führen. Zu viele Augen lasen mit; zu viele Boten fielen. So entstand im Kreis der Schreiber eine Zählweise, die in den Rand der Pergamente wanderte: Octava Templi, „die Achte des Ordens“.
Erste Verweise erscheinen im Register von Arques (1193), später in den Listen der Geleitwege (1204–1210) und in einem Fragment, das als „Kasseler Splitter“ (um 1237) bezeichnet wird. Die Zeichen tauchen nicht als Fließtext auf, sondern als kleine Markierungen: neben Siegeln, an Knotenpunkten von Karten, am Rand von Vorratslisten dort, wo eine Zahl viel sagt, aber wenig verraten soll.
Der Name Codex VIII wurde erst später gebräuchlich, als man bemerkte, dass die Zählung nicht in Zehnern, sondern in Achten geführt wurde. Die Bruderschaft bevorzugte diese Ordnung, weil sie in der Praxis schnell zu schreiben war und weil sie sich in Mustern, Knoten und Zeichenwegen gut verbergen ließ.
Octava Templi ist ein oktales Zahlensystem, also eine Zählweise zur Basis 8. Statt der Ziffern 0–7 werden Ordenszeichen verwendet. Jedes Zeichen steht für genau einen Wert. Eine Folge aus mehren Zeichen bildet eine Zahl im Oktalsystem.
Hinweis: In gedruckten Vorlagen werden die Zeichen stets gleich gezeichnet. Auf verwitterten Blättern können Varianten auftreten, doch der Wertebereich bleibt immer 0–7.
Jede Stelle hat ein Gewicht: 1, 8, 64, 512 … (also 80, 81, 82, 83 …).
z.B: ABC8 = A·64 + B·8 + C·1
In Prüfungen der Bruderschaft wird die Reihenfolge der Markierungen oft nur als „nach Octava Templi“ angegeben. Das bedeutet: Die Zeichenfolge ist maßgeblich und jede Stelle ist Teil der Ordnung.
Octava Templi wurde überliefert als Zählung für: Geleitmarken, Archivstellen, Botenläufe, Knotenpunkte von Wegen... Wo andere nur Zeichen sahen, sahen Ordensschreiber eine Ordnung.